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Montag, 9. Februar 2015

Marode Schönheiten #2/2015 ... verfallende Reiterstallungen ~~~



Gestern unternahm ich eine Foto-Tour durch unsere Stadt. Vor allem auf ein Objekt hatte ich es abgesehen, eine dieser maroden Schönheiten...




Leider existierte das Objekt meiner Begierde nicht mehr. Ihr könnt es aber noch in dieser Zeitschrift auf  Seite 2 bewundern!  Hier sind noch mehr Bilder des inzwischen abgerissenen Reitstalles zu bewundern.

Es gibt wohl immer Zeitgenossen, denen diese romantischen Ruinen, Zeitzeugen einer vergangenen Epoche gehörig aufstoßen, warum auch immer. ;-) Der Perfektionswahn ist leider ein großer Mangel dieser Zeit. Doch auch "schöne neue" Gebäude werden einmal alt ...Aber gut, vielleicht sind das ältere Leute, die noch den Krieg erlebten - für sie mag das, was wir als romantisch empfinden mit belastenden Erinnerungen verbunden sein. Mich jedoch begleitete diese Ruine mein ganzes Leben lang, nicht nur ich hatte sie als wild-romantischen Ort, ja, als ein Stück Heimat  "liebgewonnen". Auch ich sah noch als Kind die Polizei-Reiter aus der alten Reithalle des ehemaligen Braunschweiger Landgestüts heraus- oder hinein reiten. Das war noch fast wie zu Kaiserzeiten. ;-) :-)

Das Schöne an diesen Zeitzeugen, daß sie noch so authentisch sind - nichts wurde in der Zwischenzeit verändert . . .


Fast schon unheimlich und wie aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges auferstanden .... diese Details ... die mich immer irgendwie an KZs erinnern . . .  und nicht weit von diesem altertümlich anmutenden Komplex befindet sich dann auch eine KZ-Gedenkstätte, die seit Mai 2000 existiert (was mir wohl irgendwie entgangen war.) doch mehr dazu weiter unten.
Und natürlich wurden diese Gebäude auch von diesen Konsorten genutzt.



In Wikipedia ist noch mehr über das inzwischen abgerissene Gebäude der Reiterstaffel zu lesen.

Es war ja nun einmal dem Verfall preisgegeben und irgendwann wäre es wohl von allein zusammengebrochen . . .

Interessant auch die Sicht eines Anwohners - wobei DIESE Pferdeställe etwas weiter ab lagen.

Doch dort in der Nähe - am Leonhardsplatz - stehen noch diese Stallungen  (zu denen auch obige Fotos gehören!) Und ich hoffe, dieses Stückchen Stadtgeschichte bleibt wenigstens erhalten. Man könnte ja ein wenig dafür tun ...  Hier gibt es auch noch einen Blick von der Stadthalle aus auf die maroden Stallungen.



Es existiert sogar ein Video über Reithalle und Gelände mit den Stallungen vor dem Abriß der Reithalle. - Die Stallungen stehen jedoch noch, wie auf meinen Bildern erkenntlich.

Das Wort 'marode' kennt man in unserer Gegend übrigens im Zusammenhang mit halbverfallenen  Gebäuden eigentlich nicht. Wir sprachen von Ruinen oder verfallenem Gemäuer.
Und in diesem Dokument auf Seite 8 ist auch die Rede von den "Wegwerfhäuser" am Leonhardplatz 1 (Drei Autoren stellen ihr Buch zur Geschichte der Liegenschaft vor und fordern, das Schandmal zu beseitigen) der in der Braunschweiger Zeitung am 24. Januar 2012 unter "Braunschweig Stadtteile" erschien, den ich aber weder in der Online-Ausgabe noch im e-Paper finden konnte ob mit oder ohne Anführungszeichen. ;-) Darin wird auch die inzwischen abgerissene Reithalle erwähnt, somit lag sie wohl gegenüber des Parkdecks der Stadthalle.


Die Wildnis erobert sich längst das Gelände Stück für Stück . . . keines Menschen Hand hat hier jemals noch etwas dagegen getan . . .


Marode - im wahrsten Sinne des Wortes . . .



Ja ja, der Zahn der Zeit . . .



An der Leonhardstraße - ganz in der Nähe - steht übrigens das Raabe-Haus - ich hätte es auch fotografieren sollen. Es schaut sehr schmuck aus. In diesem Huas ist ein Literatur-Zentrum untergebracht, es dient gleichzeitig als Museum.

Dafür habe ich die Stadthalle, der gegenüber die abgerissenen Gebäude der Reiterstaffel lagen, fotografiert.


Wo der Reiterstall stand, ziert jetzt dieser monumentale "Park", der noch im Entstehen ist, das Feld, den man von den noch vorhandenen Gebäuden des Reitkomplexes aus rechts im Bild anhand des blauen Streifens erkennen kann.




Einst war in diesem roten hohen Gebäude die Hauptpost am Bahnhof untergebracht. Toblerone wurde sie von Einheimischen genannt, wegen der typischen Gebäudeform.

In diesem Architektur-Forum fand ich übrigens noch sehr schöne Abbildungen, man muß sich da nur ganz durchklicken; am Ende sind die Bilder des noch nicht ganz fertigen BraWoParks in ganz groß zusehen. Und darin ist auch die Rede von Denkmalsschutz und Integration der alten Steinwände und Mauern ...



Das 1840 erbaute, sogenannte „Invalidenhäuschen“, welches neben dem neuen BraWo-'Park' steht. In diesem Häuschen war früher einmal ein kleines Museum beherbergt.





Und gleich daneben die schon weiter oben erwähnte Gedenkstätte KZ-Außenlager Braunschweig Schillstraße.
Das Areal des ehemaligen KZ-Außenlagers wurde jahrelang als Posthof genutzt, vielleicht war mir diese Gedenkstätte deshalb entgangen. Sie wurde inzwischen jedoch im Zuge der umfangreichen Neubaumaßnahmen an diese Stelle verlegt

1944/45 befand sich an dieser STelle ein Außenlager des Hamburger KZ Neuengamme. Hier waren Zwangsarbeiter inhaftiert, die bei der Braunschweiger Spezialfabrik für Motorlastwagen, Motoromnibusse und Motoren Büssing zwangsarbeiten mußten. Es war von 300 bis 500 Toten allein an diesem Ort die Rede.
Nachdem ein Wettbewerb zur Gestaltung einer Gedenkstätte für die Opfer des Lagers ausgeschrieben wurde, sieht jetzt das Ergebnis so aus.

Niemals wieder! So wünschen und hoffen wir .... doch in der Welt herrscht Unruhe so viel wie nie ...

Arbeitskreis Andere Geschichte
Auf der Collage ist unten links das Schill-Denkmal zu sehen, welches sich inmitten der Gedenkstätte befindet.


Ich weiß, ich bin schon ein wenig spät, doch eher war es mir nicht möglich, diese Fotos zu machen. Wir hatten auch lange kein gutes Foto-Wetter. ;-)





12 Kommentare:

  1. Nach Deinem Post sollte ich nun eine ungefähre Vorstellung davon haben wo was liegt. Nur kam ich dort auch schon früher sehr selten vorbei. Und heutzutage kaum noch. Nur noch 1x im Jahr eventuell auf dem Weg zum Finanzamt, wenn BS mal wieder zu extrem umbaut ;-( Oder nur fast, wenn es zum Friedhof geht. Jetzt würde ich die Ecke wohl mit ganz anderen Augen betrachten. Spannend!
    LG Silke

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    1. Schade, daß man keine Kartenausschnitte mehr einfügen darf, sonst hätte ich das Gebäude auf der Karte markieren können. ;-) Und selber zeichnen liegt mir nicht.
      Ich war ja sehr oft in der Gegend. Einmal wohnte ich als Kind südlich von BS - der Bus fuhr dort entlang - und später hatte ich oft auch auf der Hauptpost zu tun bzw. in den Jahren dazwischen am Bahnhof .... irgendwie kam ich immer in diese Gegend ... ach ja, die Tanzschule lag da natürlich auch noch ganz in der Nähe ;-) Und Friedhof, genau ...
      Demnächst kommen bestimmt noch andere Ecken der Stadt. Gestern hatte mich das Fotofieber gepackt. :-)
      Liebe Grüße
      Sara

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  2. Es ist zwar schade, dass die Ruine der Reithalle nun doch weg ist, aber auch diese Stallungen sind noch ein interessantes Objekt. Wahrscheinlich ist hier auch niemand daran interessiert, es zu retten und so wird ein weiteres Stück interessanter Geschichte verschwinden. Die Gegensätze von Alt neben total Modern sind in Deutschland oft enorm. Hier in Freiberg ist es Alltag.
    Die Stadthalle scheint aus der selben Zeit zu stammen, wie die Erlanger Stadthalle. Fast 1:1 identisch.....
    Liebe Grüße, Sigrun

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    1. Das befürchte ich allerdings auch, liebe Sigrun. Dabei sind gerade DAS die Anziehungspunkte - diese alten noch erhaltenen Gebäude ... wenn ich da nur an Nürnberg mit der tollen Stadtmauer denke ... es wäre so schade, wenn man so etwas würde verfallen lassen ... Die wissen gar nicht, was sie tun!!!
      Oh, da muß ich mal Die Erlanger Stadthalle "aufsuchen", bin gespannt.

      Liebe Grüße
      Sara

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  3. Liebe Sara,
    die alten "maroden" Gebäude finde ich herrlich - drin wohnen möchte natürlich niemand.... aber sie strahlen einen so
    romantischen Charakter aus -
    mit den Hochhäusern hab ich es gar nicht - ob sie wirklich sein müssen?

    der Anblick von einem KZ jagt mir immer einen Schauer über den Rücken - einfach schrecklich -

    liebe Grüße - Ruth

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  4. Wow, liebe Sara,
    da hast du ja einen Mammut-Post eingestellt. den habe ich jetzt erstmal in aller Ruhe durchgelesen.
    Natürlich nehme ich gleich mal Bezug auf deine " Maroden Schönheiten " und möchte dir danken für diesen wirklich tollen Beitrag.
    Du hast mit sehr viel Liebe zum Detail hier geschrieben. und natürlich wirst du auch sofort von mir als Teilnehmerin in meinem Foto-Projekt eingetragen.:))
    Die Auswahl des Kontaktfotos fällt mir sehr schwer, guck mal nach, ob es dir auch so gefällt .
    Noch einen guten Start in eine hoffentlich schöne Woche wünscht dir
    ♥lich Jutta

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  5. Liebe Sara,
    da muss ich Jutta Recht geben. Ein Mammutpost. Aber sehr interessant und
    lehrreich. Diese maroden Gebäude haben ihren besonderen Reiz.
    Einen guten Start in die neue Woche wünscht dir
    Irmi

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    1. Liebe Irmi,
      vor allem hab' ich es ja auch für mich getan. Es ist meine Stadt und ich will sie immer noch besser kennenlernen, dazu sind mir auch die entsprechenden Verlinkungen sehr wichtig, um später noch nachschlagen zu können. Kein Leser braucht das alles durchzulesen, der es nicht will.

      Liebe Grüße
      Sara

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  6. Was für ein Thema! Bei uns hier in Wien greift in den letzten Jahren eine ganz besondere Zerstörungswut um sich. Es werden viele historisch erhaltenswerte und für das Stadtbild prägende Häuser ganz bewusst vernachlässigt, die Mieter vertrieben, leer stehen lassen, bis sie dann leicht marode sind und abgerissen werden können. "Gefahr im Verzug" oder so, heißt es dann. Was einzig und allein dahinter steckt, ist die Gier nach mehr Geld, denn Grundstücke in der Stadt sind irrsinnig viel wert. Und so entstehen dann anstelle der historischen Häuser aus dem Biedermeier lauter gleich aussehende Wohnsilos ohne Gesicht. Der Denkmalschutz greift kaum bzw. ist die Behörde träge und oft schlampig, und oft genug auch irgendwie mit Bauträgern verbandelt. So verwandelt sich eine Stadt, die von ihrem historischen Stadtbild lebt, langsam in eine 08/15-Stadt. Eine wirklich traurige Entwicklung, die ich täglich mitverfolgen kann, da ich viele Freunde in einer Initiative für Denkmalschutz habe. Aber der Mammon regiert in jedem Bereich. Ach, ich darf gar nicht zu viel darüber nachdenken, das schlägt sehr auf das Gemüt!

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    1. Das ist auch hier in Deutschland so, liebe Margit. Eine schlimme Entwicklung, die sich noch bitter rächen wird!
      Auf die Verantwortlichen wird es in irgendeiner Form später zurückfallen, dessen können wir gewiß sein. Nur bringt das die schönen alten Gebäude leider auch nicht zurück.

      Liebe Grüße
      Sara

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  7. Ein eine spannende Zeitreise, liebe Sara, hoffentlich gibt es die Mittel und auch das entsprechende Gespür um das ein oder andere Bauwerk zu erhalten. Jedenfalls macht so eine Fotosafari sehr viel Freude und man beschäftigt sich selbst noch intensiver mit der dazugehörigen Geschichte. Dir noch eine herrliche Woche und liebe Grüße,

    bis bald, herzlichst Jade

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  8. Liebe Sara,
    Ja, wo ich zweiTage hintergeraten war wegen Erschöpfung, habe entlich 12 Stunden geschlafen, hatte ich Mühe mit so einen Mammut Posten!
    Die Maroden Gebäude sollten erhalten bleiben, weil in der Zukunft gibt es so etwas schon garnicht mehr.
    Es hatten 2 Posten sein sollen... Die französen waren ja auch sehr hart um den Kopf von Schill auf Alkohol zu setzen...!
    Liebe Grüsse,
    Mariette

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