Donnerstag, 21. April 2016

Windschiefe Fachwerkhäuser - Lost Places #4


Windschief, wie diese Fachwerkhäuser im  Braunschweiger Magniviertel inzwischen sind, so windschief habe ich sie im April 2013 auch geknipst. ;-) Aber egal ... es geht um Lost Places ...
Angeregt durch Sigruns Aktion mal wieder, habe ich auf meiner Festplatte doch noch Material gefunden - denn zum Fotografieren verlassener Objekte käme ich derzeit kaum.


Leider erinnerte ich mich so gar nicht, was einst in diesen damals noch hübschen Häusern untergebracht war. Hier hat der Zahn der Zeit ganz ordentlich genagt.
Dies sind wenige Häuser, die nach dem Bombenangriff auf Braunschweig am 15. Oktober 1944 noch übrig geblieben sind. Der größte Teil der Braunschweiger Altstadt wurde zu 90 % vernichtet!
Meine Großmutter väterlicherseits hatte diese Katastrophe noch persönlich erlebt. Zum Glück konnte sie in einen der Bunker flüchten, doch als sie diesen mit ihrer Familie zusammen nach 2 1/2 Tagen endlich verlassen konnte, traute sie ihren Augen kaum . . . ringsum war ALLES zerstört, rauchte und brannte es, in dieser real gewordenen Hölle eines Feuersturmes war es schwer zu atmen in dieser real gewordenen Hölle! 
Ein Feuersturm ist nicht mal eben ein Brand, es ist - wie hier beschrieben, da wurden Menschen, auch Kinder, durch den starken Wind, den das Feuer verursacht, in das Zentrum des Feuers gesogen!

Als Feuersturm bezeichnet man den Kamineffekt bei großen Flächenbränden, bei denen durch starke Hitzeentwicklung heiße Luft über dem Brandherd emporsteigt und der entstehende Sog Frischluft nachzieht. Bei diesem Kamineffekt entsteht somit eine positive Rückkopplung – die Zufuhr frischer Luft facht das Feuer weiter an. (Wikipedia)

Als meine Großmutter ihr Wohnhaus suchte, in dem sie eine wunderschönen Altbauwohnung bewohnte, war auch das vergeblich - denn der größte Teil dieses Hauses war vernichtet, ein Teil ders Gebälkes der oberen Wohnungen hing schief herab .... alles bröckelte und brach herab ... da war kein Betreten mehr .... da war guter Rat teuer .... von da an war man obdachlos .... alle Habe verloren, außer das, was man am Leibe trug und in einem kleinen Handwagen mit sich führte. Das  Schicksal meinte es gnädig und sie konnten bei einer befreundeten Lehrer-Familie für eine Zeitlang unterkommen, wie ich es in Erinnerung habe. Bald darauf wurde mit Kraft der eigenen Hände ein kleines Haus gebaut, weil es bei Lehrers mit der Zeit doch ein wenig eng wurde ...

Dies sind Impressionen der Stadtwohnung aus jener Zeit - die Häuser existieren alle nicht mehr!



Doch zurück zu den oben gezeigten Fachwerkhäusern. Ich suchte nach ihnen und fand sie hier. Scheinbar sollen sie saniert werden - aber 4.000  Euro???????

Das Magniviertel ist eines der ältesten Stadtviertel Braunschweigs und gehört heute zu den fünf sog. Traditionsinseln der Stadt.
In Wikipedia kann man den sog. Ackerhof sehen. Um ehrlich zu sein, habe ich bis heute nicht gewußt, daß eine Straße dieses Namens hier existiert. ;-) Schande über mein Haupt! Man läuft oft dran vorbei und doch  kennt man den Namen nicht .... oder vielleicht gerade deshalb?? ;-) :-) Ich kenne diese Gegend schließlich seit meiner Kindheit.

Auf dieser Wikipedia-Seite sind die Schäden auch im Detail zu sehen, wie bspw. das Detail der Südfassade von Ackerhof 2, welches auf meinen Bildern unten mittig liegt.

Das Haus Ackerhof 2 trägt auf einem Balken der Nordseite sogar eine Jahresangabe, Anno d[omi]ni m cccc xxxii“ (1432), was es zum ältesten durch eine Bauinschrift datierten Fachwerkgebäude der Stadt macht. Es wird sogar vermutet, es könne sich um das älteste durch eine Inschrift datiere Fachwerkhaus Deutschlands  handeln!!!

Hier besteht also dringend Handlungsbedarf! Ich war aber schon länger nicht mehr dort, muß ich dazu sagen. Vielleicht hat man inzwischen ja schon mit der Restaurierung begonnen?

Ackerhof -Ansichten aus den  unterschiedlichsten Jahren

So schade ist auch, daß an diesen Fachwerkhäusern vorbei der Weg nach kurzer Strecke unmittelbar in die Innenstadt führt, zur Galeria Kaufhof und nicht weit davon entfernt zum "Schloss" und dem Happy Rizzi House - es wäre also mehr als sinnvoll hier eine hübsche Visitenkarte auch für die zahlreichen Touristen zu haben. Stattdessen verfallen die Gebäude mehr und mehr ...

Sicherlich fehlt auch eine Nutzungsidee, denn wenn man ehrlich ist, sind viele der kleinen Läden nur noch zur Zierde da und schließen nach kurzer Zeit schon wieder mangels Käuferschaft! In Zeiten der Schloss-Arkaden und all den Verkaufs-Giganten, wo man vieles billig haben kann, sehen viele Käufer eben nicht ein, für richtig gutes Handwerk auch richtig gut zu zahlen!

Ursprünglich hat sich in diesem Gebäudekomplex wohl einmal eine Schmiede befunden.  Und seit 1872 wechselten im Erdgeschoss unterschiedliche Ladengeschäfte ab. Zuletzt befand sich eine Zoohandlung in einem der Häuser. Jetzt erinnere ich mich auch wieder ...  Hier ist das  Haus Ackerhof, in dem sich diese Zoohandlung befand, auch zu sehen.

Na, dann bin ich mal gespannt, ob und wie diese Traditionsinsel aufpoliert wird! ;-)

Und hier gehts  zu Sigrun's Aktion - Klick auf das Bild!


Kommentare:

  1. Bei der Zoohandlung machte es bei mir Klick ;-) Ja, das war wirklich mal eine schöne Gegend. Vor etwa 2 Jahren war ich ein paar Straßen weiter unterwegs. Aber ein Spaziergang durchs Magniviertel wäre ein Umweg gewesen. Tja Häuser kommen und gehen. Ich kann mir auch nicht gut vorstellen, dass sich Läden dort lange halten können. Und wie es jetzt mit der Gastronomie aussieht? Früher hatte ich mich dort ja gern mal rumgetrieben. Aber das waren wohl nur so 2 oder 3 Jahre zum Ende der Schulzeit. Wenn die Gebäude saniert werden sollten, werden die Mieten sicherlich ziemlich hoch ausfallen. Und welches Konzept soll das auf Dauer bezahlen?
    LG Silke

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    1. Eine Zeitlang hatte ich da öfter zu tun bzw. kam da immer mal vorbei. Auf dem Magnifest war ich aber auch schon Ewigkeiten nicht mehr oder in den Kneipen dort. ;-) Den "Friedrich" kennst Du bestimmt noch? Mit der optisch täuschenden Spiegelwand und dem schönen Hof .... DAS waren noch Zeiten. ;-) :-)
      Tja, was bringt man in solchen Gebäuden unter und WER will darin heute noch wohnen? Ich täts nicht wollen!
      Irgendwas Kulturelles vielleicht? Sponsoren gesucht ...
      Liebe Grüße
      Sara

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  2. Heute graben wir wohl alle und er Vergangenheit herum, liebe Sara..? Schlimm hat es Braunschweig erwischt...so viele Städte in Deutschland. Um so mehr freue ich mich, dass in Leipzig so viel stehen geblieben ist, denn Dresden ist eine Katastrophe, wenn ich das mal als meine Heimat bezeichnen darf. Dann war Braunschweig wohl ähnlich aussehend, wie Goslar oder die Städte im Harz? So weit weg ist das ja nicht von dir. Ich freue mich, dass du einen Beitrag für die Lost Places geschrieben hast...:-)
    LG Sigrun

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    1. Ab und an mache ich das auch mal ganz gern, liebe Sigrun. Ansonsten schaue ich auch lieber in die Gegenwart. Man verklärt so manches im Nachhinein. Aber ich mag die alten Häuser eben auch gern und es wäre schade drum, denn heute baut man doch ganz anders.
      Goslar weiß ich jetzt gar nicht so genau, ich war vielleicht 2 x dort, das ist schon ewig her. ;-)
      Aber die Altstadt bestand schon aus Fachwerkhäusern, erst später wurde anders - mit Stein - gebaut. Das hier soll ja das älteste Fachwerkhaus überhaupt sein. Alles andere, was noch erhalten ist, wurde ja erst später gebaut. Ich hab' da auch ein Buch Braunschweiger Spaziergänge" - da kann ich begleitend zu den Lost Places mal hineinschauen und gucken, ob ich da evt. was auf Festplatte habe oder wenn ich da mal in die Gegenden komme, den Fotoapparat nicht vergessen und das Eine oder Andere mal knipsen.
      Ich kannte das Braunschweiger Schloss beispielsweise nur als Ruine, die man dann ja auch bald schon abgerissen hat. Jahrelang gab es da einen sog. Schlosspark, bis man ein Einkaufs-Schloss errichtet hat - das das Schloss - zumindest optisch - ersetzen soll, nicht ohne Hintergedanken .... die Schloss-Arkaden mit die unzähligen Geschäften - wie man das heute in allen größeren Städten hat. Anders wäre so ein Schlossbau wohl auch kaum finanzierbar gewesen. Da hat man 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Von mir aus hätte man das "Schloss" aber nicht mehr erbauen müssen, da es ohnehin nicht das Original ist und durch die Geschäfte darin auch einen ganz anderen Eindruck hinterläßt, als man ihn von einem originalen Schloss erwartet. Doch was tun die Stadtoberen nicht alles, um die großen Ketten und damit viele Besucher anzulocken. ;-) Allerdings zu Lasten all der anderen alteingesessenen Geschäfte, z.B. Karstadt, das ich viel lieber aufsuche, als diese Schloss-Arkaden, die viel zu laut und klimatisch unangenehm sind. Ich mag lieber die Kaufhäuser, die wir bis dahin so kannten - auch was das Essengehen betrifft .... im "Schloss" sitzt man an den Durchlaufwegen mitten auf dem Präsentierteller, während man in Restaurants wie bei Karstadt oder Galeria doch ein bisserl zurückgezogen sitzen kann. Ich weiß nicht, wer es haben muß, so mitten im Trubel zu sitzen während des Essens?? Aber gut, jedem das Seine. Man könnte es jetzt meinem fortgeschrittenen Alter zuschreiben *lach* - doch weiß ich das auch von jüngeren Leuten, die das "Schloss" deswegen eher meiden.

      Liebe Grüße
      Sara

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    2. Tja, die Schloss Arkaden. Für die Einen Fluch, für die Anderen Segen.
      Ich selber gehe nur selten hin, es ist mir einfach viel zu unübersichtlich. Na gut, wär ich öfter dort, fände ich mich wohl auch besser zurecht.
      Was wirklich schmerzt, ist diese "sterile" Bücherei.
      Seit meiner Kindheit bin ich regelmäßig in die alte Bücherei "Hintern Brüdern" gegangen, habe dort Stunden zugebracht und bin dann schwer bepackt mit Büchern heimgegangen.
      Schon allein dieser unbeschreibliche "Duft", wenn man sie betrat....
      Bis zum Abriß war ich ständige Bücherei Besucherin. Romane habe ich nur selten mal ausgeliehen. Immer waren es themenbezogene Bücher...Häkeln, basteln aller Art, Tiere, Kochen, Garten, Zeichnen, Aquarell Malerei, Kinderparties usw. Die Bücherauswahl passte sich meinem Alter und der jeweiligen Lebenssituation an.
      In der "neuen" Bücherei war ich anfangs einige Male. Immer fand ich es sehr unpersönlich, gar nicht mehr heimelig und gemütlich.
      Inzwischen war ich schon ewig nicht mehr dort. Ob sich was geändert hat? Ich sollte es mal auskundschaften.
      Immerhin gab es ja nach der Neueröffnung viele Kritiken und auch Verbesserungsvorschläge von den Bürgern Braunschweigs.
      Inzwischen wohne ich seit vielen Jahren 25km von Braunschweig entfernt.
      Mitten in der Natur mit Vogelgezwitscher und ohne jeden AutoLärm. Herrlich!
      Es war aber schön, sich zurück zu erinnern
      LG Gaby

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  3. Ich bin ja in Braunschweig geboren. Bis zu meinem 14.Lebensjahr wohnten wir auf der Kastanienallee. Wie oft waren wir bei Zoo Adam und haben unsere Nasen an der Fensterscheibe plattgedrückt.
    Damals turnte dort nämlich lange Zeit ein kleiner Affe durch seine Behausung. Heute undenkbar.
    Zum Magnifest war ich auch schon ewige Zeiten nicht mehr. Es war mir dort einfach zu brechend voll. Man kam ja gar nicht durch die Menschenmassen
    Schöne Erinnerungen waren das jetzt

    Liebe Grüsse Gaby

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