Samstag, 9. April 2016

Einmal wie in Sissinghurst ...



Sissinghurst "kannte" ich bisher nur vom Hörensagen und vor allem durch Sigrun's Blog (Hillsidegarten)

Nun hatte ich das große Glück, in einem 'Brocki' auf ein Buch zu stoßen, das sich ganz dem Phänomen Sissinghurst widmet. Das mußte natürlich unbedingt mit! Im Internet kann man den Garten hier oder auch in diesem Blog besuchen.

Das Bild ganz oben stammt übrigens vom Schlosspark in Bad Oeynhausen aus dem August 2013.



Sissinghurst Castle ist ein historischer Landsitz in der englischen Grafschaft Kent, etwa 40 Kilometer südwestlich von Canterbury. Berühmt geworden ist der Garten, der ab 1930 von Vita Sackville-West und ihrem Mann Harold Nicolson angelegt wurde und der in dieser Form erhalten wurde. Heute ist Sissinghurst im Besitz des National Trust. Die für die Öffentlichkeit zugängliche Anlage zählt mit mehr als 160.000 zahlenden Besuchern jährlich zu einer der beliebtesten Gartenanlagen der Welt. So steht es in Wikipedia.

Vita Sackville-West war eine englische Schriftstellerin und Gartengestalterin. Sie stammte aus wohlhabendem Hause und so verwundert es nicht, wenn sie einen Garten wie diesen erschaffen konnte.Sie starb im Alter von 70 Jahren an Krebs ...


Sie führte ein Merkbuch, welches u.a. viele Notizen zu den neuen Teehybriden und Floribundarosen enthielt, die sie in Sissinghurst anpflanzte. Würde sie heute leben, hätte sie wohl ein Blog-Tagebuch geführt. ;-)


Die folgenden Aufnahmen entstanden im August 2009 im Schlosspark von Hannover-Herrenhausen ... und da ich diese Bilder in meinen Blogs noch nicht gezeigt habe, füge ich sie hier in Ermangelung eigener Sissinghurst-Bilder ein, denn die Bilder aus dem Buch darf ich leider nicht verwenden. Und meine Bilder sollen lediglich an Schlossparks erinnern, denn im Grunde nichts anderes ist auch Sissinghurst. Dennoch sollen diese Anlagen in keiner Weise mit Sissinghurst im Vergleich stehen!!!




Es fehlen hier überall diese wundervollen Eiben-Gebilde, die auf Sigrun's Blog zu bewundern sind! Auch annähernd altertümliche Towers/Türme hat es in all diesen Gärten nirgendwo.


Das folgende Türmchen habe ich in unserem Rügen-Urlaub aufgenommen, es befindet sich ganz in der Nähe des Jagdschlosses Granitz und gehört zu einem ehemaligen Jagd- und Gasthaus.





Warum schreibe ich ausgerechnet über Sissinghurst?

Zum einen durch den Fund des Buches und zum anderen, wegen meiner Überlegungen nach Durchblättern des Buches, was man in welcher Form im eigenen Garten übernehmen könnte ...  doch davon bin ich leider weit entfernt ... in mir steckt doch eine leidenschaftliche Sammlerin und Jägerin, auch wenn ich das schon sehr stark eingeschränkt habe, so lassen sich diese Attribute dennoch nicht ganz verleugnen.

Ich gebe zu, Schlossparks zu  lieben, doch hätte ich selbst einen solch geradlinigen, formalen Garten, von mir gern "Klein-Versailles" genannt, würde mir wohl schnell langweilig werden. Ein wenig Wildwuchs und Wildromantik müssen bei mir einfach sein!

Und natürlich würde auch ich  Sissinghurst gern einmal live bewundern . . . vielleicht läßt sich das ja irgendwann einmal noch realisieren ...

Diesen Schlosspark habe ich hier fotografiert. Leider existiert das Schloss jedoch nicht mehr.



Aus dem Buch geht auch hervor, daß die ursprüngliche Bepflanzung Sissinghursts zwar dem Stil und Geist Vitas entsprach, dennoch haben von den damaligen Kompositionen nur wenige überlebt und was man heute sieht, ist überwiegend das Werk der dort angestellten Gärtner. Denn schon Ende der 50er Jahre drohte der Garten in häßlichen Wildwuchs umzuschlagen, als es mit der Gesundheit und Energie Vita Sackvilles und ihres Mannes langsam abwärts ging.

Nun, das kennen wir wildromantisch Gärtnernden ja zur Genüge, die wir keine Gärtner anstellen können oder wollen. Und was zum Gärtnern fehlt, ist außerdem immer sehr viel Zeit.

Hier ein Bild aus dem Waldgarten im April 2012 . . . und daran ist unschwer zu erkennen, warum wir um die 2.000 qm nicht dauerhaft bewirtschaften wollten/konnten ...



Denn wildromantisch UND gepflegt geht denn doch deutlich anders ...

Weitere Impressionen aus dem ehemaligen Waldgarten ... Mai/Juni aus den Jahren 2010 - 2012

Fonts Jester & Throw my Hands up in the Air


Besonders auch der sog. Nußgarten (Nuttery) soll sich seit Vitas Zeit vollkommen geändert haben. Der bunte Primelteppich unter Polyantha-Hybriden ist nicht mehr, denn nach Vitas Tod begann der Nußgarten unter Bodenmüdigkeit zu leiden und die Pacific-Hybriden waren nicht winterhart, wurden durch Munstead-Hybriden ersetzt. Die Gesundheit der Primeln verschlechterte sich, sie litten unter der roten Wurzelfäule (Phytophthora fragariae), was wohl daran liegt, daß Primeln nicht beständig am selben Ort stehen können. Ähnlich wie man das von der Rosenmüdigkeit auch kennt. Es blieben nur noch wenige übrig. 



Rote Rose 'Dirigent" aus dem Waldgarten im Mai 2011

Hier auch zur Wurzelfäule bei Aurikel - Primel (keine Werbung!) Diese Wurzelfäule kommt bspw. auch bei Erdbeeren vor.

Für den Primelteppich zog eine Decke aus Waldpflanzen, Blumen, Farnen und Gräsern ein, vermutlich, weil diese länger blühen als die Primeln und das ganze Jahr über einen schönen Anblick bietet. 

Gertrude Jekyll (englische Gartengestalterin und -Autorin) schrieb über die Hasel einst, sie käme ihr wie eine gütige Amme der Primeln vor. An den Gehölzen wachen sie zusammen, und die schönsten Primelpflanzuen wachsen häufig dicht an den Haselstock geschmiegt.

Dieser Nußgarten hatte scheinbar eine besondere Bedeutung, denn die Lambertshaselnuß gab letztendlich den Ausschlag, in Sissinghurst zu wohnen und dort den Garten anzulegen.

Ich selbst kenne die Lambertshaselnuß als "Bluthasel" - und von diesen Exemplaren wuchsen, soweit ich mich erinnere,  in unserem Waldgarten gleich zwei.



Ein Garten wie Sissinghurst ist niemals durch ein oder zwei Personen zu pflegen, vielleicht noch anzulegen -  selbst wenn man sich den ganzen Tag darin und damit beschäftigen würde.


Das nächste Bild zeigt den Schlossgarten von Hundisburg in Sachsen-Anhalt (zu dem wir im März 2010 einen Ausflug zum Frühlingsmarkt unternahmen) - hier sind auch Formschnitte an Nadelgehölzen zu bewundern.



Im Buch ist dann auch ein ganzes Bataillon von Gärtnern mit ihrem Machinenpark abgebildet, wie Traktoren, Walzenmäher, Vertikutierer oder Düngerstreuer ...


Der Aufwand ist immens - allein die Rasenpflege ... nach Ende der Besuchersaison muß dieser mit einem Vertikutierer bearbeitt werden, um so schön gleichmäßig zu bleiben und die Kanten werden mit einem Kantenschneider, der sich Little Wonder nennt, geschnitten. Leider geht's in diesem Garten auch nicht ohne Herbizide ab, was ich fast vermutet habe .

Die Rasenflächen vorm Schloss in SZ-Ringelheim, aufgenommen im  September 2011. Der Schlosspark mit bewegter Geschichte ist leider teilweise ein Beispiel von Verwilderung ... Sehr schade!



Interessant fand ich auch die Ausführungen über die Linden - wie die neuen Lindentriebe im Hochsommer bis auf die Spieße zurückgeschitten werden. Hier kann man noch einiges lernen...

Oder über die Düngung der Rosen, die mit Volldünger im Frühling erfolgt und seine Zusammensetzung sich immer wieder ändert, um den Boden nicht einseitig überzuversorgen. Dennoch trat immer wieder eine Manganvergiftung des Bodens auf.

Meine Rosen im jetzigen Garten .... Waldgartenrose und eine schöne Namenslose, die bis dahin ohne viel Dünger auskommen mußten .... aufgenommen im Juni des vergangenen Jahres.



Sissinghurst, ein Garten, der das ganze Jahr über in Blüte steht . . .  dies war jedoch Anspruch der Besucher  und wurde dann durch die angestellten Gärtner auch ungesetzt.  Und wer von uns möchte heute nicht, daß sein eigener Garten auch möglichst ganzjährig blüht?