Donnerstag, 11. August 2016

Sommerflieder und betrunkene Schmetterlinge



Die Gartenbotschafterin hatte sich dieses Themas angenommen, das ich hier auch gern aufgreife. Denn sie fand auf Facebook eine Schlagzeile, die den Sommerflieder als Falterfalle bezeichnete. Angeblich sollen die Glycoside, die dieser Strauch enthält, schädlich für Schmetterlinge sein. Verantwortlich für diese Aussage sei wohl der Schmetterlingsexperte Prof. Dr.  Harm Glashoff (den ich hier eher als Experten in Sachen Geologie aufgeführt finde) der beobachtet haben will, daß Schmetterlinge süchtig nach dem Nektar dieser Blüten werden und tagelang immer wieder um gleichen Strauch zurückkehren würden. In den Pausen würden sie dagegen ein bedenkliches Verhalten zeigen, alle Scheu verlieren und dadurch leichte Beute z.B. für Vögel werden. Die Schmetterlinge, so will er wissen, würden durch den Strauch daran gehindert, ihre Schlafverstecke rechtzeitig aufzusuchen und bis weit in die Dämmerung hinein weiter den Nektar schlürfen.



Diese Beobachtungen habe ich bislang eindeutig nicht gemacht! Mir fallen in der Dämmerung lediglich die Nachtfalter am Sommerflieder auf! Die Taumeligkeit führe ich persönlich auf andere Umstände zurück.

Wenn ich in diesem Post auch Schmetterlinge am Sommerflieder  zeigte, so beobachte ich seit Jahren jedoch ganz allgemein, daß Schmetterlinge ungefähr ab Anfang August generell langsamer und taumeliger werden. Vielleicht hängt das mit der Paarung zusammen. Oder auch mit dem Alter und dem nahenden Ende ihres Lebens? Denn Schmetterlinge leben nicht sehr lang!

Ich habe eindeutig mehr Bedenken wegen der Gifte in der Landwirtschaft, die nicht nur schmetterlings-giftig sind! Hier müßte dringend mehr getan und nicht den Großkonzernen zugearbeitet werden.

Der Sommerflieder kann also keineswegs der alleinige Verursacher des taumeligen, langsamer werdenden Bewegungsmusters sein. Ich war schon in Gegenden, in denen weit und breit kein Sommerflieder stand und doch sind hier die Schmetterlinge sehr leichte Beute, kann ich sie mit der Hand einfangen!




Und auch bei Bienen und Hummeln beobachtete ich Ähnliches. Sie "berauschen" sich ganz einfach an der Fülle der Pollen -  völlig bemehlt ahlen sich Bienen mitten in den Malven  und Bienen und Hummeln schlafen auch trunken vom Blütenduft und den eingenommenen Pollen an Ort und Stelle in der Dämmerung einfach in den Blüten ein - wie leicht werden sie auch da Beute von irgendwelchen Tieren.



Nicht nur Falter können sich "betrinken" ... auch aus der Vogelwelt ist dieses Phänomen durchaus bekannt. Das passiert ganz einfach durch den Genuss überreifer Früchte, an denen sich Schmetterlinge übrigens auch laben! Was nicht selten einmal zum Tode führt!
Alkoholisierte Amseln

Und hättet Ihr schon gewusst, daß Rentiere gern Fliegenpilze fressen, die sie gezielt ausgraben, um sich damit zu berauschen? Irgendwie verständlich bei dem Leben in den im Winter doch recht unwirtlichen Ländern, oder?! Denn mit weißen Möbeln können sich Rentiere ja nun mal keine gute Laune verschaffen.


Auch Tiere mögen es berauschend!

Als Tier hat man es eben nicht so leicht - warum sollte man ihnen also nicht einen kleinen Rausch gönnen? ;-) Von der Natur ganz sicher alles eingeplant!

Alles in allem gehe ich bei Tieren von einem natürlichen Instinkt aus - sie wissen schon, was sie sich zumuten dürfen und wenn sie dadurch leichte Beute für andere Tiere werden, soll das eben so sein - denn in der Tierwelt herrscht nun einmal das Gesetz vom Fressen und Gefressenwerden, auch wenn mancher Mensch das nicht gern hören will. . . lieber werden Katzen und Hunde mit *Chappi* aus der Dose gefüttert, aber auch das waren einmal springlebendige Tiere, die Fabriken nur zermahlen in die Büchsen stopften!

Ich entdeckte lediglich beim BUND einen  entsprechenden Artikel über den Sommerflieder von 2013! Und dort wird ja geschrieben, die Auswirkungen sind nicht bekannt. Ich würde hier vielmehr der Natur vertrauen, denn alles ist im Wandel, auch Schmetterlinge werden sich anpassen können, außerdem ist ja nicht gesagt, daß sie nun andere Pflanzen gar nicht mehr besuchen. In einem naturnahen Garten wie dem  Unsrigen kommen auch viele heimische Pflanzen vor, an denen die Raupen sich laben können. Auf meine Sommerflieder möchte ich jedenfalls nicht verzichten! Ich "berausche" mich genauso gern an ihrem Duft!

Die richtigen Schlüsse aus seinen Forschungen zu ziehen, ist eben auch eine Kunst, die nicht alle Wissenschaftler beherrschen. 


Kommentare:

  1. Also mir fällt dieses Jahr auf, dass es drastisch weniger Schmetterlinge gibt als letztes Jahr! Letztes Jahr waren meine Schmetterlingsflieder über und über voll mit Schmetterlingen- dieses Jahr kaum welche zu sehen 😢
    Das Phänomen mit den besoffenen Bienen und Hummeln kenne ich auch. Die Hummeln pennen oft in den Stockrosen oder am Blutweiderich ein 😉
    Ich bin bemüht den Insekten einen reich gedeckten Tisch anzubieten, es blühen gerade sehr viel Blutweiderich, Malven und Wasserdost..... und die (fast) unbesuchten 4 Sommerflieder.
    Liebe Grüße!
    Daniela aus Uelzen

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  2. Liebe Sara, danke für diese Gegendarstellung. Ich werde sie gleich in meinem entsprechenden Beitrag verlinken. Es freut mich sehr, dass du dich dem Thema nochmals angenommen hast!

    Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    wünscht Ines

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  3. Liebe Sara,
    ich habe nicht gewusst, dass sich Schmetterlinge und Vögel auch berauschen können. Allerdings ist mir noch eine Szene von der Serie Michel aus Lönrneberga von Astrid Lindgren in Erinnerung, wo sich Michels kleines Schweinchen mit gegorenen Beeren "betrinkt". Und wieder sind es sehr schöne Bilder. Liebe Grüße von Gisela von den Vorlesern

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  4. Liebe Sara, das ist ein total interessanter Artikel. Mir war bislang nicht bewusst, dass der Sommerflieder deswegen in der Kritik steht. Die Bilder sind ein Traum.

    LG kathrin

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  5. Ich mag es, wenn Schmetterlinge meinen Sommerflieder besuchen. Vor ein paar Jahren allerdings
    entdeckte ich massenweise tote Schmetterlinge unter diesem Busch. Keine Ahnung, woran das lag.
    Seitdem beobachte ich eigentlich mehr Bienen als Schmetterlinge auf dem Sommerflieder.
    LG Edith

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  6. Liebe sara,
    ein interessanter Bericht. Ich habe keinen Sommerflieder ( Platzmangel), aber auch so kommen Schmetterlinge, Bienen und Hummeln gerne zu uns.
    Schöne Bilder hast Du dazu, danke dafür!
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag und einen guten Start in ein wunderschönes Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße , Claudia ♥

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  7. oh sara - was für ein grossartiger post!!! informativ, aber auch mit der richtigen portion humor!!! fein!
    und wunderschöne falter-bilder!!
    2 dinge: ich hab hier viel himalaya-springkraut - wenn nun eine dicke hummel in die blüten krabbelt fällt so manche blüte ab ob des extra-gewichts - dann kommt am boden eine ziemlich bedepperte, pollenbemehlte hummel rausgekrabbelt aus der pinken hülle - sehr drollig
    :-)
    und es geht die sage dass der urin der fliegenpilz-fressenden rentiere getrunken wurde - dadurch gab es fette räusche ohne die giftwirkung des pilzes..... ist aber wohl schon lange her :-)
    "kein rausch ist auch keine lösung!!" xxxxxx

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  8. Liebe Sara,
    wie gut das Du über den Sommerflieder doch so schön schreibst. Ich mag ihn so sehr und er gedeiht bei mir wirklich prächtig. Einen Rückgang der Schmetterlingspopulation habe ich feststellen können, aber nicht das sie sich nach einem Besuch am Flieder "komisch" benehmen.
    Er ist aber auch ein Hummel und Bienenmagnet wie ich feststellen kann. Von allen dreien gab es dieses Jahr von den Hummeln am meisten.
    Ich überlege mir daher ernsthaft ob ich mir nicht nächstes Jahr wieder Bienen zulegen werde. Nur ein oder zwei Völker, naja mal schauen wie weit meine Überlegungen gedeihen.
    Auf jeden Fall war es wieder mal sehr informativ bei Dir, liebe Grüße und ein schönes Wochenende wünscht
    Kirsi

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  9. Liebe Sara,
    mein alter Sommerflieder ist leider eingegangen und der Neue blüht heuer noch nicht. Ist noch ein Zwergerl.
    Aber ich freue mich schon auf den nächsten Sommer. Ich hoffe, er ist wieder über und über voller Schmetterlingen und Insekten. Eben ein Schmetterlingsstrauch.
    Mir heuer auch aufgefallen, das Bienen und Schmetterlinge weniger vertreten waren. Leider!
    Nur der Buchsbaumzünsler hat mir fleißig seinen Besuch abgestattet.
    Die Tierwelt ist fantastisch. Ich muss jetzt noch grinsen, wenn ich an den berauschten Elch denke.
    Da das Wetter bei uns auch noch nicht berauschend ist, werde ich mir nun einen frischen Melissentee gönnen(damit mir wieder warm wird) ,bevor ich an Pilzen zum Kauen anfange. Denn die gedeihen heuer bei uns prima.
    Wünsche dir fürs Wochenende, dass die Sonne sich heraustraut und euch schöne Stunden beschert.
    Alles Liebe,
    Manuela



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    1. Mit den Bienen ist mir das eher in Vorjahren so gegangen, liebe Manuela. Bienen besuchen uns inzwischen wieder zu meiner Freude. Es gibt auch mehr Leute, die inzwischen Bienen halten. Bedenklich sind vor allem die Gifte in der Landwirtschaft.
      Schmetterlinge sind bei uns in diesem Jahr auch nicht so zahlreich wie in manchen Jahren. Aber auch das liegt an diversen Faktoren und kann sehr unterschiedlich sein, wie in dem einen Jahr, als uns die Distelfalter überschwemmten. Letztes Jahr war das bei uns aber nicht ... irgendwo hier im Blog habe ich das sicher auch verzeichnet ...

      http://www.spektrum.de/news/eine-invasion-der-schmetterlinge-steht-bevor/1351334

      Mit den Pilzen, das lasse ich auch lieber *grins* - aber Mensch und Tier hat es zuweilen nicht so leicht, gell. :-) Die Tiere wissen sich auf ihre Art zu helfen. ;-)

      Bei uns ist es inzwischen wieder sehr schön, nur leider schon länger viel zu trocken. Wenn es hier regnet, brechen wahre Ströme vom Himmel neuerdings und dann herrscht wieder wochenlang Ebbe und vieles verdorrt, wenn ich nicht täglich mit dem Schlauch bewässern würde. ;-) Was voraussetzt, daß ich dann auch zuhause bin. ;-) Daher schätze ich ab und an Regen sehr, am besten über Nacht, dann ist es tagsüber wieder schön. :-)

      Liebe Grüße
      Sara

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  10. Liebe Sara,

    vielen Dank, dass Du das Thema nochmal aufgegriffen hast ! Ich war auch recht verunsichert, weil ich meine Sommerflieder liebe und einige davon habe. Mein Garten soll aber in erster Linie den Tieren Nahrung und Unterschlupf bieten und ihnen keinesfalls schaden. Daher bin ich sehr sehr froh, dass Du das ganze relativieren konntest.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Birgit

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    1. Liebe Birgit,
      Wissen schützt am besten vor Verunsicherung und zum Glück haben wir heute mit Google u.a. ein mächtiges Instrument, uns dieses Wissen ziemlich schnell zu verschaffen. Und wie ich eben unten an Gabriele Sommerhalder schrieb, liegt es in unserer Macht, z.B. auch Brennesseln im Garten zu dulden. Die meisten Hausbesitzer tun dies nämlich nicht! Ich brauche mich nur in unserem Dorf umzuschauen - all diese überpflegten Gärten ... und in der Landwirtschaft, auch den Wäldern, da liegt das eigentliche Problem!

      Liebe Grüße
      Sara

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  11. Liebe Sara

    Eben bin ich über Kirsi auf deinen Artikel aufmerksam geworden. Er ist Artikel sehr interessant. Der Sommerflieder, oder auch Schmetterlingsflieder, gehört zu den Neophyten. Das heisst er ist bei uns nicht heimisch. Da er sehr viele Samenn bildet hat er sich im laufe der Zeit auch in der freien Natur verbreitet. Dort kann er wichtige Pflanzen, die den Schmetterlingsraupen Nahrung bieten, verdrängen. So haben es, vorallem seltene Schmetterlinge, mit der Arterhaltung schwerer. Aber schädlich für die Tierwelt was die Pollen angeht, ist er nicht.
    In meinem Garten steht auch ein solcher Strauch und solange er gedeiht hat er sein Plätzchen. Ersetzen werde ich ihn aus diesen Gründen nicht mehr. Aber es gibt ja noch soviele heimische Fliedersorten. Da muss ich auch nicht auf seinen Duft und die Schmetterlinge verzichten. ;-)
    lg Gabriele ☼

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    1. Danke für Deinen Besuch, liebe Gabriele! Ich denke immer da, wo man die Nahrungspflanzen der Tierwelt verdrängen läßt, ist Gefahr im Anzuge, z.B. in der Landwirtschaft, an den Waldrändern. In unserer Region wird dafür ja schon einiges getan, daß das nicht passiert und so viele Brennesseln, wie hier in Südostniedersachsen wild wuchern, gibt es wohl kaum noch irgendwo, wenn ich all diese Bedenken so lese. In den Privatgärten hat man ja alle Vollmacht, wachsen zu lassen, was man will. Bei mir im Garten wachsen daher auch Brennesseln und nicht wenig, sicher nicht zur Freude der Nachbarschaft und da haben wir gleich das Problem! Der Mensch im Privatgarten ist es, der nur und ausschießlich seine geliebten Zierpflanzen, u.a. auch Neophyten, wachsen läßt, gegen alles andere aber radikal vorgeht.
      Daher mache ich mir aber auch so gar keine Gedanken um meine 3 Sommerflieder, denn auch ich möchte nicht auf den herrlichen Duft und Anblick verzichten und nehme sogar die beständige Mühe in Kauf, die braunen Dolden abzuschneiden, damit immer neue nachkommen.

      Liebe Grüße
      Sara

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  12. Liebe Sara,
    heute schreibe ich mal unter diesem älteren Post. Über die Google-Suche habe ich zufällig hierher gefunden. Im August hatten wir ja kein Internet und mir ist das ganz entgangen. Den Kaisermantel hatte ich noch nie bei mir..... Ich habe auch wieder einen Sommerflieder gepflanzt, auch wenn er in vieler Hinsicht umstritten ist. Dass er zum Torkeln führen soll, war mir auch neu.
    Sag mal, die rosa Malve kommt mir sehr bekannt vor. Stammt sie aus meinem Samen von der Moschusmalve oder hast du eine neue gekauft? Ich habe sie sogar dieses Jahr noch mal ausgesät und der Samen hat immer noch gekeimt...:-) Jetzt müssen sie nur noch wachsen.
    Liebe Grüße, Sigrun

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    1. Liebe Sigrun,
      freut mich, daß Du diesen Post entdeckt hast! Bei uns ist häufiger der Kaisermantel anzutreffen, auch in den Wäldern, an der Bahnlinie.
      Ja, dieser Schmetterlingsexperte will das so beobachtet haben, aber das deckt sich wiederum nicht mit meinen Beobachtungen. Wer weiß, welche Bedingungen bei ihm vorherrschten. ;-)

      Wie ich ja schrieb, befinden sich abends hauptsächlich Nachtfalter an ihm, schon am frühen Abend! Die Tagfalter werden im Hochsommer immer langsamer und wirken taumelig. Zu der Zeit paaren sie sich lt. meiner Beobachtung auch. Sicher alles Faktoren, die Einfluß auf ihre Langsamkeit und Unaufmerkamkeit haben, denn um die Zeit, das habe ich ja schon immer in meinem Blog geschrieben, kann ich Schmetterlinge stets wunderbar fotografieren, weil sie nicht mehr so fix sind und schnell wegfliegen. Im Frühling hat man dagegen kaum eine Chance.

      Ja, die Malve kann durchaus von Dir sein. Gekauft habe ich keine.Ich glaube, ich habe sie jetzt auch wieder gesehen, noch klein, aber immerhin. :-) Sie blüht aber noch nicht.

      Liebe Grüße
      Sara

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