Samstag, 5. Mai 2012

Urban Gardening und Schrebergärten



Vom Guerilla Gardening habe ich hier schon geschrieben. Man nennt es heute auch Urban Gardening - die Rückkehr der Gärten in die Stadt! Denn das eigentliche Guerilla Gardening geschah ursprünglich eher aus Protest!

Auch wir beteiligen uns daran, indem wir an verschiedenen Stellen unserer Stadt Samen ausstreuen oder sogar das eine oder andere Bäumchen einpflanzen, in der Hoffnung, daß es niemand wieder herausreißt!

Doch nicht nur in der Stadt streuen wir die Samen, auch bei uns auf dem Dorf, um es zu verschönern.
Nehmen wir als Beispiel Stockrosensamen. Diese konnte ich in Mengen ernten. So viele brauche ich selbst nicht. Und deshalb mache ich gern anderen eine Freude damit, indem ich die Samen an bestimmten Stellen verteile. Mit ein bißchen Glück kann ich mich dort später ebenfalls an den schönen Blüten erfreuen.

Nur rechtzeitig sollte man die Samen streuen, denn viel später im Jahr bleibt nicht mehr ausreichend Zeit für die Keimung. Und einige Pflanzen sind ohnehin zweijährig, da müssen wir dann leider bis zum nächsten  Jahr auf die Blüte warten.


Bekannt wurden in den 1970er Jahren auch die New Yorker Community Gardens, die auf leer stehenden Grundstücken entstanden. Auch die Schrebergärten auf der Schmelz in Wien (ursprünglich eine unverbaute, hochgelegene, große Acker- beziehungsweise Wiesenfläche westlich der Stadt) sind Beispiele für Urban Gardening, für Selbstversorgung und wildes Gärtnern im Stadtraum durch die überwiegend ärmeren Bevölkerungsschichten.

Überhaupt Schrebergärten ... die durch den Leipziger Arzt Moritz Schreber begründet wurden, allerdings erst nach seinem Tode! Der übrigens recht seltsame Erziehungs"ratgeber" schrieb, in denen die reinsten Foltermethoden propagiert wurden und die damals leider sehr populär waren.

Und selbst  Armengärten gab es und gibt es so ähnlich sicher noch . . .


Die Gartenidee erlebt derzeit eine Art Renaissance und Urban Gardening ist nichts wirklich Neues. Die Ausstellung "Hands-On Urbanism 1850-2012" im Wiener Architekturzentrum (AZW) widmet sich einer Ideengeschichte von Landnahmen im urbanen Raum. Seit dem Modernisierungsschock der Industrialisierung sind Städte weltweit mit schwierigsten Herausforderungen konfrontiert. In Krisensituationen finden StadtbewohnerInnen jedoch seit jeher eigene Lösungen, sie betreiben Stadtentwicklung von unten. [...]
Hands-On Urbanism 1850 - 2012
Vom Recht auf Grün
und das Buch dazu 


Auf die Plätze - Saatbombe - los!
Stadt macht satt 
Individual Community Garden Websites
Die Dschungelkönigin 
Tita Giese bepflanzt deutsche Großstädte mit Bambus, Yuccas und Rhabarber – gegen allerlei Widerstände.
Samenbomben (SeedBombs) sind ein beliebtes Mittel der Guerilla Gärtner. Durch ihre spezielle Zusammensetzung ist die Chance größer, daß die Saat aufgeht, wenn Regenwasser sie ausreichend durchfeuchtet. Außerdem bleibt der Same während dieser Zeit vor Vögeln und anderen Tieren geschützt.

Anleitung für SeedBombs
Mit Samenbomben die Welt verändern 

Streng genommen ist das Guerilla Gardening jedoch eine Straftat und zählt zum Vandalismus.In den USA wird man dafür bestraft. Bei uns jedoch wird es wohl weitgehend geduldet und sogar oft wohlwollend zur Kenntnis genommen im Angesicht der DAFÜR leeren Stadtkassen.

Und wenn auch nur ein einziges Blümchen aufginge, so ist das doch besser als nichts! ☺☺☺


Kommentare:

  1. Liebe Sara, allein der Gedanke gefällt mir.
    Nur tun mir dann oft die Pflanzen leid, wenn sich niemand um sie kümmert oder wenn sie vertrocknen müssen.
    Ja, wegen deiner Frage:
    DU kannst sie weiter giessen, man soll sie sogar düngen, wenn sie verblüht sind.
    Oder du läßt sie einziehen und holst dann heraus, um sie im Spätherbst wieder einzugraben.
    Ich habe das Problem auch.
    Weil eigentlich wollte ich in dem Topf einen Teil der Dahlien pflanzen....
    Vielleicht aber geht sogar beides.
    Die Tulpen drinnen lassen und dazwischen vorsichtig die Dahlienknollen pflanzen, mal sehen.
    Solange die blühen, will ich sie aber nicht "stören".
    Viele liebe Grüße von Luna

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  2. "Stadt macht satt" finde ich besonders spannend - habe dieses Jahr auch einen Reissack mit Kartoffeln!
    VG
    Elke

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  3. Ich habe mich auch über dieses Thema informiert und finde das genial. Mal sehen, was ich hier noch -evtl. in Samentütchen- herumliegen habe. Da werde ich doch heimlich...
    Gestern blickte ich auf einen Englischen Rasen, kein Farbtupfer drin, jeder Grashalm DIN-gercht. Da bekam ich schon beim Anschauen ein Kribbeln in den Fingern und dachte an Samentütchen - aber da würden die Menschen ja mindestens ein Magengeschwür bekommen, wenn sie sich dann mit der Artenvielfalt auseinandersetzen müssten :-)
    In Berlin gibt´s ja auch solche Projekte. Da fahren wir Montag hin und ich werde mal gucken.
    LG heidi

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    1. Ja, das macht schon Freude, liebe Heidi. Und ich schaue mir die Aussaat-Orte zuvor auch genau an. Denn was bringt es, wenn es eine dauerhaft zu trockene bodenverdichtete Verkehrsinsel ist, auf der nie etwas gedeiht außer Disteln ... oder an den Stellen, wo die Stadtgärtner alles herausreißen ... aber es gibt immer noch genug Stellen, an denen man selbst auch noch seine Freude daran haben kann.
      Die englischen Rasen mag ich auch nicht so, d.h. wo sie hingehören, aber im eigenen Garten nicht! Dort liebe ich Wiese, die ich aber zum Begehen weitgehend auch kurz halte, wobei wir hier noch den Luxus haben, Wiesen-Inseln stehen lassen zu können.
      Da bin ich ja gespannt und wünsche viel Spaß!
      Nach Berlin möchte ich auch mal wieder, war schon länger nicht mehr dort.

      Liebe Wochenendgrüße
      Sara

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  4. Liebe Sara,
    Urban gardening ist ein spannendes Thema. Ich finde es toll, dass vor allem auch junge Menschen Liebe zu Pflanzen auch in Städten gefunden haben. Besonders toll finde ich es, wenn auch Obst und Gemüse in Städten angebaut wird. Natürlich sind Blumen und blühende Bäume und Sträucher ein schöner Hingucker und ich mag sie auch in meinem Garten, aber für mich steht der Nutzgarten im Vordergrund, denn ich möchte mich mit so viel wie möglich Obst und Gemüse selbst versorgen, das nicht mit Kunstdünger gedüngt oder mit Gift gespritzt ist.
    Gerade habe ich eine kurze Notiz über vertikal gardening (auch wall gardening) genannt geschrieben, das ja auch in die Richtung geht.
    Leider fehlt mir die Zeit, so toll und ausführlich wie Du über alles zu berichten. Du recherchierst immer sehr gut und bringst ein Thema "rund" rüber.
    Danke auch für die Info über den Namensgeber der Schrebergärten. Die Zeit, in der er lebte, war gerade für Kinder eine sehr grausame Zeit, auch Kinderarbeit war damals gang und gäbe und vollkommen akzeptiert, wie eben auch drakonische Strafen.
    Ich schicke Dir liebe Grüße an einem regnerischen Samstag (die Natur hier kann ihn gut gebrauchen),
    Irmgard

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    1. Liebe Irmgard,
      danke! Ich finde es auch sehr spannend und wir betreiben das schon, bevor ich den Begriff dafür überhaupt kannte, in kleinem Rahmen.
      Meine Großmutter hatte auch einen größeren Nutzgarten, aber Blumen, Stauden, Flieder, Forsythien, eben all das, was zum Bauerngarten so dazugehört, durfte nie fehlen.
      Wir waren damals nehezu komplette Selbstversorger dank meiner Großmutter!
      Allerdings mußte sie auch auf Schneckenkorn zurückgreifen, denn sonst hätten wir manchmal nichts geerntet und für die große Familie war das zu der Zeit ganz undenkbar!
      Auch war es ein Zeit- und Kräftefaktor. Denn meine Großmutter bewirtschaftete den Garten ganz allein und es mußte funktionieren, wir alle waren drauf angewiesen.

      Wir selbst kaufen Gemüse heute lieber im Bio-Laden im Vertrauen auf die Redlichkeit der Bio-Bauern. Eben weil wir auch wissen, daß es zuweilen nicht einfach mit der Ernte ist und dann doch gewisse Mittel verwendet werden müssen, will man nicht die komplette Ernte verlieren.

      Beispiel sind z.B. unser Lindenbaum bzw. die Linden in der Umgebung, die jetzt Jahr für Jahr so befallen waren, daß ich daraus leider keinen eigenen Lindenblütentee gewinnen konnte. Man hätte sie behandeln müssen, aber dafür fehlen mir Zeit und Energie. So muß ich auf die aus Frankreich zurückgreifen. Scheinbar sind sie dort ungezieferfrei, das Mekka der Lindenblüten ...

      Ohja, Vertikal Gardening, darüber schrieb ich hier im Blog auch - Du kannst in die Labels schauen, wenn Du magst ...

      Über Schreber besitze ich ein Buch "Die Angst vor dem Vater" - das ist schon bezeichnend, zumal seine eigenen Kinder schizophren wurden

      http://www.buchfreund.de/Die-Angst-vor-dem-Vater-Langzeitwirkung-einer-Erziehungsmethode-Eine-Analyse-am-Fall-Schreber-Schatzman-Morton-3499171147,48752021-buch

      Das Werk war zu der Zeit offiziell anerkannt und fand in weitem Kreisen Verwendung.

      Bei uns regnet es heute auch, aber wir haben es uns dafür gemütlich gemacht, muß auch mal sein. Und Du sagst es, Natur und Garten brauchen den Wolkenguss.

      viele liebe Wochenendgrüße
      Sara

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